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	<description>Das junge Amerika vor der Wahl</description>
	<pubDate>Sat, 15 Nov 2008 22:35:42 +0000</pubDate>
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		<title>Vernon&#8217;s Barbershop</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Nov 2008 22:18:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<category><![CDATA[Afroamerikanisch]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag übertrieben klingen, aber auch eine Woche nach den Wahlen hält sich ein Gefühl der Veränderung auf den Straßen New Yorks. Natürlich haben sich die T-Shirt-, Kalender- und Buttonverkäufer beeilt, das ohnehin Michael Jacksoneske (back in the day) Popstar Image des &#8220;President Elect&#8221; auszunutzen. In Harlem hallt der Ruf &#8220;Obama-bama-bama&#8221; so laut und routiniert von den T-Shirt Ständen durch die Straßen, dass man sich an den Hamburger Fischmarkt erinnert fühlt. Die kreativsten Entwürfe zeigen Obama beim Slamdunk über einen sich wegduckenden McCain oder auch das berühmte Muhammad Ali Motiv des siegreichen Boxers.</p>
<p><a href="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/dsc_0017.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-289" title="dsc_0017" src="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/dsc_0017-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a></p>
<p>Aber neben diesen expermimentellen Versuchen, Obamas Wahlsieg schon vor seinem Amtsantritt zur persönlichen Bewältigung der Wirtschaftskrise zu nutzen, scheint tatsächlich eine andere Stimmung zu herrschen. Ein Obama Button an der Jacke ist fast wie ein Schutzmedallion, das einem freundliche Blicke in allen Vierteln der Stadt garantiert. Man schaut sich offener und direkter an, als vor den Wahlen.</p>
<p>Dennoch war unser erster Besuch in einem Barbershop für eine Nassrasur im vornehmlich afroamerikanischen Brooklyn zunächst von Skepsis geprägt. Die zwanzig Warteminuten verbrachten wir in einvernehmlichen Schweigen, bis Vernon, der Besitzer, noch überschwenglich im nagelneuen Obamashirt und Button gekleidet mich auf den Stuhl bat. Nach ungefähr drei Minuten waren wir in ein offenes freundliches Gespräch über die Wahlnacht und die Straßenparty in Brooklyn vertieft, in dass sich fast jeder im Laden einmischte. Und nach fünf weiteren Minuten  bekam ich die offenherzigste Bestätigung der intellektualisierten Bedeutung des ersten schwarzen Präsidenten für Afroamerikaner. Vernon drehte mich ins Licht, setzte die Messerklinge kurz von meinem halbrasierten Reisebart ab und sagte: &#8220;Weißt du was? Vor ein paar Tagen noch hätte ich dich nicht so offen angucken können und mit dir reden können wie jetzt. Da wären Bedenken und Vorurteile im Spiel gewesen und ich hätte mich unwohl gefühlt. Aber jetzt? Das hat sich alles mit dieser einen Nacht verändert.&#8221; Schließlich schenkte er mir die Rasur und lud uns auf ein paar Bier ein, die er noch von der Wahlnacht übrig behalten hatte.</p>
<p>Ich will nicht ausschließen, dass dies ein Einzelfall und aus der Euphorie des frischen Siegesgefühls heraus entstanden ist. Aber das grundsätzliche Empfinden im eigenen Selbstbewusstsein der afroamerikanischens Bevölkerung, auf einer gleichberechtigten Stufe angekommen zu sein, lässt sich nicht übersehen. Für mich jedefalls war dieses Erlebnis einprägsamer als viele Zeitungsartikel und Extrasendungen auf allen Kanälen, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.</p>
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		<title>Fußnoten der Geschichte</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Nov 2008 20:11:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Wie sehr die Wahlen und der ungewisse Ausgang vor allem kreative junge Menschen beschäftigt, hatte ich ja schon bei meinem ersten Besuch in New York erlebt. Auch jetzt in den Tagen nach den Wahlen kann man noch die letzten Überreste der schlimmen Vorahnungen spüren. Nur dass sie jetzt mit dem wohligen Schaudern berichtet werden, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sehr die Wahlen und der ungewisse Ausgang vor allem kreative junge Menschen beschäftigt, hatte ich ja schon bei meinem ersten Besuch in New York erlebt. Auch jetzt in den Tagen nach den Wahlen kann man noch die letzten Überreste der schlimmen Vorahnungen spüren. Nur dass sie jetzt mit dem wohligen Schaudern berichtet werden, dass einen überkommt, wenn man knapp an einer Katastrophe vorbei geschrammt ist. Auf einer Party in Williamsburg unterhalte ich mich mit Nick, der mir erzählt, dass er nach Berlin gezogen wäre, falls McCain gewonnen hätte. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass ich diese nun unnötieg Ankündigung höre. Mein Freund Lucas schrieb auf seinem Blog so: &#8220;Das einzige, was mich wirklich an einem McCain Sieg interessiert hätte, wäre gewesen, wieviele meiner Freunde ihren angekündigten Protestumzug tatsächlich durchgezogen hätten.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/ny-2-i-95.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-285" title="ny-2-i-95" src="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/ny-2-i-95-193x300.jpg" alt="" width="193" height="300" /></a></p>
<p>Jetzt ist McCain schon in die Welt der popkulturellen Fußnoten übergegangen und die Erinnerung an eine mögliche Präsidentin Sarah Palin wirkt fast wir eine unwirkliche Anekdote. In Williamsburg führt die Künstler WG in der die Party stattfindet ein selbstgeschriebenes Theaterstück auf. &#8220;No city&#8221; handelt in bruchstückhaften Episoden von Amerika. Es geht um Wandel und Politik, um die Möglichkeit der Einmischung und alternative Gesellschaftsentwürfe. Bert Brecht darf sich vor dem Kommittee gegen antiamerikanische Aktivitäten verteidigen, natürlich wird die Wirtschaftskrise von 1929 zitiert und die Black Panther Bewegung. Die jungen Künstler, die alle aus Michigan stammen, haben das Stück an den Wochenenden vor und nach dem 4. November aufgeführt, als geschichtliche Klammer um diese Wahlen, die so richtungsweisend erscheinen. Aber der Sarkasmus, mit dem sich vor allem die junge Generation Amerikaner mit ihrem Land und ihrer Identität  auseinandergesetzt haben ist einem neuen ironischen Optimismus gewichen. Jedenfalls brauchen sich Europa und Kanada nicht mehr für eine Auswanderungswelle zu wappnen.</p>
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		<title>Good Morning, New York</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Nov 2008 15:21:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<category><![CDATA[Obama]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Himmel über New York ist regnerisch, genau so, wie vor mehr als sechs Wochen, als ich die Stadt Richtung Süden verlassen habe. Vielleicht bilde ich mir nur ein, dass die als notorisch unfreundlichen New Yorker etwas freundlicher sind in Crown Heights, dem afroamerikanischen Stadtteil, in dem Brian wohnt. Gestern wirkte es noch fast unwirklich, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Himmel über New York ist regnerisch, genau so, wie vor mehr als sechs Wochen, als ich die Stadt Richtung Süden verlassen habe. Vielleicht bilde ich mir nur ein, dass die als notorisch unfreundlichen New Yorker etwas freundlicher sind in Crown Heights, dem afroamerikanischen Stadtteil, in dem Brian wohnt. Gestern wirkte es noch fast unwirklich, dass die Menschen trotzdem einfach ihrem Alltag nachgehen am Morgen nach der Wahl, die selbst George W. Bush als historisch bezeichnete. (Na gut, seine eigenen Worte, mit denen er Obama gratulierte waren etwa: &#8220;Awesome dude, this is gonna rock, have fun&#8221; aus komödiantischer Sicht wird er einem ja schon ein bißchen fehlen der alte Dubja).</p>
<p><a href="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-ii-14.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-282" title="chicago-ii-14" src="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-ii-14-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a></p>
<p>So viele Fragen ergeben sich aus den Möglichkeiten, die diese Wahlen eröffnet haben: Wird Obama die Hofnungen erfüllen, die er ausgelöst hat? Wird sich dieser Gemeinschaftsgeist in eine neue soziale Richtung umsetzen lassen, die eine tatächliche Grassroots Bewegung auslöst? Bringt der erste afroamerikanische Präsident die lange überfällige Versöhnung zwischen den Rassen in Amerika oder vertieft er nur die Gräben, die während des Wahlkampfes so erbittert ausgehoben wurden? Auf der politischen Landkarte sieht es fast so aus, wie zu Zeiten des Bürgerkrieges, ein blauer Norden und ein roter Süden. Und dann gibt es natürlich nocht die wichtigste aller Fragen: welches Haustier bringen die Obamas mit ins Weiße Haus??</p>
<p>Meine Freunde hier sind alle sehr hoffnungsfroh, viele haben Lust und Energie, sich auf irgendeine Weise an dieser neuen Regierung zu beteiligen, wie viel davon die vorläufuge Euphorie ist und wie viel langfristige Motivation wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Aber so viel lässt sich schon jetzt sagen, dieser Kandidat, den sich die Amerikaner so deutlich zum Präsidenten gewählt haben, hat es geschafft, eine Stimmung der Hoffnung und politischer Energie zu erzeugen, die es so lange nicht gegeben hat.</p>
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		<title>Nov 4th</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Nov 2008 15:05:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<title>Geschichte gibts&#8230;.</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 06:56:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Ich bin froh, dass es ausgerechnet Jon Stewart in der Sonderausgabe der Daily Show war, von dem ich die Neuigkeiten erfuhr, das nimmt dieser Entscheidung etwas von der Erhabenheit und dem Ausmass, die ihr schon jetzt zugeordnet werden.  Es ist schwierig, die politischen Dimensionen einzuordnen, die diese Wahl fuer die USA und den Rest der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin froh, dass es ausgerechnet Jon Stewart in der Sonderausgabe der Daily Show war, von dem ich die Neuigkeiten erfuhr, das nimmt dieser Entscheidung etwas von der Erhabenheit und dem Ausmass, die ihr schon jetzt zugeordnet werden.  Es ist schwierig, die politischen Dimensionen einzuordnen, die diese Wahl fuer die USA und den Rest der Welt haben wird. John McCain hat es in seiner sehr ordentlichen und fairen, vielleicht sogar seiner besten Rede, in der er den Sieg Barack Obamas anerkannte gesagt: Das war eine historische Wahl, in der die Waehler ein sehr deutliches Wort gesprochen haben.</p>
<p>Im HIlton Garden Inn hatten sich die Obama Wahlhelfer aus Cleveland versammelt, um die Ergebnisse zu verfolgen. Als Obama eine Stunde nachdem alle Prognosen ihn als deutlichen Sieger erklaerten vor seine Anhaenger im Grant Park in Chicago trat, wurde es sehr still im Ballsaal und in der Bar des Hotels. Andaechtig hoerten die Kampagnenhelfer zu, wie ihr Motivator, der im Augenblick seines groessten Triumphes fast ein wenig hoelzern und selbst noch unglauebig erschien, seine ersten Worte als zukuenftiger Praesident sprach. Es waren aehnliche Worte, wie er sie seit Wochen in der Kampagne benutzt hatte, versoehnlicher gegenueber McCain und bescheiden in seinem Sieg.</p>
<p>Im Ballsaal in Cleveland lagen sich die Helfer in den Armen, alle Hautfarben und Generationen feierten diesen, ihren Erfolg, der so sehr auf die Grassrootsbewegung gesetzt hatte. Noch nachmittags hatte mir John erzaehlt, wie er als junger Mann im segregierten Sueden gereist war und sich Aerger eingehandelt hatte, weil er auf den Bussitzen fuer Farbige sass oder nicht aus den Wasserspendern fuer Weisse trank. Oder die Geschichte von Earl, dem afroamerikanischen Viertnamvetreanen, der noch auf dieser Kampagne die Hotelbesitzer in South Carolina schockte, in dem er mit drei Weissen Wahlhelferinnen morgens aus seinem Hotelzimmer kam, dass sie sich geteilt hatten.  Natalie aus dem Wahlkampfbuero erzaehlte von einem Kampagnenhelfer, der sie mit nach Cleveland genommen hatte und der schon im politischen Team Martin Luther Kings aktiv war. Das alles ist noch keine Lebensspanne her. Was immer auch sich veraendern mag, allein die Wahl ist schon ein imenser Wechsel fuer diese Land. Earl gab mir zum Abschied vor dem Ballsaal die Hand und hielt sie lange fest: &#8220;Das gab es nie vorher und das wird es vielleicht auch nie wieder geben, aber weisst du was ich am unglaublichsten fand? Guck dir all diese Menschen an, uns alle hier, die fuer diese Sache zusammen gekommen sind. &#8221; und zeigte ueber den Parkplatz voller freudetrunkener Wahlhelfer und die hupenden Autos auf den naechtlichen Strassen. Er schuettelte den Kopf und sagte mit einem breiten Grinsen: &#8220;Wir haben&#8217;s geschafft. Wir haben es tatsaechlich geschafft&#8221;</p>
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		<title>Hope</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 02:57:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[John stellt krachend einen Zehnerpack goldene Millerdosen auf den Schreibtisch, auf dem nur noch ein paar vereinzelte Obamasticker und eingerissenen Flyer liegen. Es ist Acht Uhr am 4. November, die Wahllokale haben in Ohio seit einer halben Stunde geschlossen. Das Buero ist nur bis heute gemietet, deshalb ist es schon fast gerauemt, dier ersten Freiwilligen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>John stellt krachend einen Zehnerpack goldene Millerdosen auf den Schreibtisch, auf dem nur noch ein paar vereinzelte Obamasticker und eingerissenen Flyer liegen. Es ist Acht Uhr am 4. November, die Wahllokale haben in Ohio seit einer halben Stunde geschlossen. Das Buero ist nur bis heute gemietet, deshalb ist es schon fast gerauemt, dier ersten Freiwilligen sind nach Hause gegangen um die Wahlergebnisse vor dem Fernseher zu verfolgen.</p>
<p>John, der in Kopenhagen wohnt und eigens fuer die Kampagne angereist ist, hat nur eine Sache zu bemaengeln: &#8220;Wir sind fast wie ein Familie hier im Buero, aber ein fehlt: in Daenemark hatten wir einen Kasten bier heir stehen&#8221; Deshalb hat der Rentner jetzt selbst die Initiative ergriffen und bei der Tankstelle gegenueber eingekauft. Im Autoradio sind die ersten Ergebnisse zu hoeren, Pennsylvania geht an Obama, New Hampshire auch. Es sieht gut aus, aber noch traut sich im Buero keiner, seine Vorfreude offen zu zeigen. Schliesslich sah es fuer Kerry auch lange gut aus. John war auch vor vier Jahren hier, um fuer die Kampagne zu arbeiten, damals erfolglos, Ohio ging an Bush und Kerry verlor die Wahl. Diesmal sagt er: &#8221; Wenn Obama verliert, werden mich meine Freunde in Daenmark auslachen, weil ich wieder hergereist bin. Aber wenn er gewinnt und  dann auch noch wegen Ohio&#8230;&#8221; Ein Laecheln schleicht sich auf das Gesicht des 72-jaehrigen Antropologen.</p>
<p>Noch sind in vielen Swing States die Ergebnisse zu nah beieinander, um offiziell gemacht zu werden. Aber wenig spaeter wird Ohio, einer der am haertesten umkaempften Staaten fuer Obama prognostiziert. Ich rufe im Buero an, um den radiolosen Wahlkaempfern Bericht zu erstatten und lauter Jubel brandet auf, als Mike die Nachricht weitergibt. Kann es wirklich sein, dass sie es diesmal geschafft haben?</p>
<p>Ich gebe es zu, ganz offen: ich habe meine journalistische Objektivitaet in den Wind geschossen und mir in den letzten Stunden vor der Wahl einen Button angeheftet und einen Stapel Adresszettel in die Hand druecke lassen. Zwei Stunden bevor die Wahllokale geschlossen wurden, stroemte die Kampagnenteams noch einmal aus, um jeden an seine Wahlpflicht zu erinnern. Durch die dunkler werdenden Strassen von Cleveland zu laufen und an schummrig beleuchteten Tueren zu klopfen in Vierteln, die normalerweise besser mit geschlossenen Fenstern durchquert werden, ist zwar nicht unbedingt die spektakulaerste Moeglichkeit, den letzten Abend auf einem Roadtrip zu verbringen, aber wenn es der Sache dient. Die meisten registrierten Waehler waren entweder nicht zuhause oder hatten bereits gewaehlt oder waren dermassen veraergert von drei taeglichen Besuchen und fuenf Anrufen der Kampagnen, dass sie einfach nur ihre Ruhe haben wollten. Trotzdem fuehlte ich mich wie ein kleiner Teil dieser Geschichte, als ich wieder ins Kampagnenbuero zurueckkam.</p>
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		<title>The Times, they are a-changin&#8217;</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 16:40:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Barack hat es in seiner Rede in Cleveland vorhergesagt, als es anfing zu regnen und John Stewart hat sich in der &#8220;Daily Show&#8221; darueber lustig gemacht: aber der Regen ist weitergezogen, heute strahlt die Sonne ueber Cleveland, Ohio, auf das heute neben Florida, Pennsylvania und Virginia der Fokus einer ganzen Nation gerichtet ist. 
 
Wir werden gleich in die Stadt fahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Barack hat es in seiner Rede in Cleveland vorhergesagt, als es anfing zu regnen und John Stewart hat sich in der &#8220;Daily Show&#8221; darueber lustig gemacht: aber der Regen ist weitergezogen, heute strahlt die Sonne ueber Cleveland, Ohio, auf das heute neben Florida, Pennsylvania und Virginia der Fokus einer ganzen Nation gerichtet ist. </p>
<p> </p>
<p>Wir werden gleich in die Stadt fahren und uns die Schlangen vor den Wahllokalen aneschauen, beobachten, wie die Spannung steigt oder wie mein Fraun Brian es zusammenfasste: &#8220;Geschichte in ihrer Enstehung betrachten - oder die Zukunft einer ganzen Generation veschwinden sehen.&#8221; Das fasst die Wichtigkeit dieser Wahlen ganz gut zusammen, besonders fuer die junge Generation Amerikaner, die sich in zuvor ungeahntem Ausmass mit Obama und seiner Vision der USA identifiziert und sich fuer sie engagiert haben. Heute nacht werden sie wissen, ob es sich gelohnt hat, oder ob das erst vorsichtige dann ueberschwaengliche Zutrauen in die amerikanische Politik ein weiteres Mal bitter enttauescht wird.</p>
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		<title>Freiwillige vor</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Nov 2008 23:31:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Am Tag vor der Wahl brummen die Kampagnen Bueros. Die Fenster sind zugepflastert mit dem Gesicht Obamas und dem Datum von morgen: 4. November. Heute morgen war Sarah Palin in Cleveland, allerdings war es eine geschlossene Veranstaltung. Jetzt gelten keine Regeln mehr und es wird mit offenem Visier gekaempft. Die Fensterscheiben des Obama Bueros in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Tag vor der Wahl brummen die Kampagnen Bueros. Die Fenster sind zugepflastert mit dem Gesicht Obamas und dem Datum von morgen: 4. November. Heute morgen war Sarah Palin in Cleveland, allerdings war es eine geschlossene Veranstaltung. Jetzt gelten keine Regeln mehr und es wird mit offenem Visier gekaempft. Die Fensterscheiben des Obama Bueros in Kansas City wurden mit Steinen eingeworfen, aus Mikes Buero wurde ein Rechner mit wichtigen Daten gestohlen. Die Anhaneger der Republikaner tauschen die Flyer und Wahlzettel der Obama Kampagne aus oder versehen sie mit Hinweisen wie diesen: &#8220;Demokraten waehlen am 5. November.&#8221; Beliebt sind auch Aufkleber mit falschen Wahlorten oder der Hinweis, dass Waehler mit unbezahlten Strafzetteln vor den Wahlkabinen verhaftet werden. All diese Praktiken werden kurioserweise von Gesetz gedeckt, so dass man staendige Gegenoffensiven entwickeln muss. Mike wird mit seinem Team bis spaet in die Nacht die Nachbarschaften abklappern, um die falschen informationen wieder zu entfernen, es ist ein Katz und Maus Spiel.</p>
<p>Wahlkaempfer Herb, der immer noch erfuellt ist von seiner Begegnung mit Obama am Sonntagabend, ist schon seit Feburar 2007 dabei. Der Vietnam Veteran kommt aus Baltimore und ist im Diensten Obamas schon kruez und quer durch die USA gereist. &#8220;Ich war im Krieg, aber gestern hab ich geweint&#8221; erzaehlt er mir. Im Buero wuseln Leute hin und her, jeder will noch irgendetwas bewegen, keiner weiss so genau, was. Flyer, Plakate und Schilder werden verteilt, denn morgen, sagt Herb, egal in welche Richtung das geht, bedeutet das alles nichts mehr. Ghettokids und Collegestudenten, Hausfrauen und Broker haben sich freigenommen, um die Kampagne auf den letzten Metern zu unterstuetzen. John ist extra ueber den Ozean geflogen, um in der Nachbarschaft seiner Eltern und Grosseltern fuer Obama zu trommeln, der 62-jaehrige wohnt eigentlich seit vier Jahren in Kopenhagen. Als wir Mike im Buero besuchen, kommt ein junges Paerchen aus New York mit ihrem Schwiegervater um zu helfen. Sie sind seit vier Tagen in Cleveland unermuedlich im Einsatz fuer ihren Kandidaten.</p>
<p>Noch eine kurze Nacht steht ihnen bevor, die meisten werden sie wohl auf dem Fussboden des Bueros verbringen. UYm 4:30 werden die Tueren geoeffnet, ab 6:30 sind die Wahllokale offen, zum Teil werden Wartezeiten bis zu acht Stunden erwartet. Dieses Jahr sagen die Umfragen eine Rekordbeteiligung voraus in den normalerweise notorisch von mangelnder Partizipation gepraegten US Wahlen. Heute hat es angefangen zu regnen in Ohio, aber die Wettervorhersagen sprechen von 18 Grad und Sonne morgen. Das wuerde die Waehler wohl deutlich mehr motivieren. Um 19:30 schliessen die Wahllokale, wer bis dahin allerdings in der Schlange steht, darf auch waehlen. Solange geht die Schicht weiter fuer die Kampagnenhelfer, bevor dann abend ueberall Parties steigen werden. aber davon spricht jetzt noch keiner.</p>
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		<title>Can we?</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Nov 2008 15:59:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Diese Reise ist auch ein Rennen gegen die Zeit, zumindest, wenn man versucht, rechtzeitig zur grossen Wahlveranstaltung von Barack Obama in Cleveland zu kommen. Ohio ist einer der umkaempften Staaten, noch fuehrt Obama hier knapp, bei den letzten Wahlen hat allerdings Bush gewonnen. Wie in allen Swing States konzentrieren sich die Kampagnen auf diese Staaten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diese Reise ist auch ein Rennen gegen die Zeit, zumindest, wenn man versucht, rechtzeitig zur grossen Wahlveranstaltung von Barack Obama in Cleveland zu kommen. Ohio ist einer der umkaempften Staaten, noch fuehrt Obama hier knapp, bei den letzten Wahlen hat allerdings Bush gewonnen. Wie in allen Swing States konzentrieren sich die Kampagnen auf diese Staaten, die noch unentschieden sind. Das bedeutet, dass Unmengen von Freiwilligen aus dem ganzen Land seit Wochen unermuedlich versuchen, die Unentschlossenen zum Waehlen zu bewegen, so wie mein Freund Mike aus New York, der seit zehn Tagen jeden Tag vierzehn Stunden auf den Beinen ist und hier in Cleveland von Tuer zu Tuer geht, um Waehler zu ueberzeugen.</p>
<p>Am Sonntag gab es fuer die erschoepften Wahlkaempfer neue Motivation, Obama kam in die Stadt, um eine Rede zu halten und hatte als musikalische Unterstuetzung den Boss persoenlich mitgebracht: Bruce Springsteen. Der Platz vor dem Sation der Cleveland Browns war schnell ueberfuellt und die meisten Zuschauer mussten die Rede vor den Leinwaenden verfolgen, die ausserhalb der Versammlung aufgebaut waren. Wir erreichten Cleveland gerade noch rechtzeitig, nachdem wir zwar die Zeitumstellung, nicht aber die Zeitzonen zwischen Chicago und Cleveland mit einberechnet hatten.</p>
<p>Ich erinnere mich noch gut an meine Eindruecke von der Obama Rede in Berlin, distanziert, professionell, sehr vorsichtig und nicht besonders inspirierend. Es waren die gleichen Eindruecke, die meine amerikanischen Freunde mitnahmen von der Siegessauele. Dieses Mal war es anders. Der Platz war voll von jungen Familien, schwarzen Collegestudenten, weisser Mitteschicht und aermeren Afroamerikanern.  Cleveland ist die aermste Stadt der USA, die Wirtschaftskrise hat die Menschen in der Auto und Stahlindustrie hier noch haerter getroffen als anderswo. Die Menschen hier brauchen die Hoffnung, die Obama ihnen verspricht.  Auch wenn die Rede inhaltlich nicht mehr besonders variiert von den so oft im Radio und Fernsehen ausgestrahlten Campaign Rallys, konnte man eine Energie spueren, die von dem Kandidaten ausging. Obama wirkte geloest und entspannt in diesen letzten Tagen vor der Wahl, obwohl die Erschoepfung bei ihm und seinem Team nach 21 Monaten Wahlkampf uneremesslich sein muss. &#8220;Ich fuehle mich ziemlich gut in diesen letzten Tagen,&#8221; erzaehlte Obama. Er scherzte ueber Dick Cheney der jetzt McCain unterstuetzt: &#8220;Ich gratuiere. Diese Unterstuetzung hat sich McCain hart und ehrlich verdient.&#8221; Und er feuerte die Menschen an, jetzt nicht nachzulassen, fuer die Kampagne Anrufe zu machen und Nachbarn zu ueberreden. &#8220;Two more days, two more days&#8221; riefen sie ihm aus der Menge zu.</p>
<p>Auch wenn sich die aus dem Stadion stroemenden Footballfans unter die Masse mischten und der ein oder andere Buhruf zu hoeren war, hatte ich diesmal tatsaechlich das Gefuehl, dass hier ein Politiker spricht, der die Menschen bewegen kann, der den so viel besprochenen Wechsel bewirken kann. Viele der angeschnittenen Ideen klingen vierlversprechen, beonders in Bezug auf Sozialleistungen und Bildung. Aber villeicht das Entscheidende ist, wieviele unterschiedliche Menschen dieser junge Politiker hinter sich versammeln konnte und dazu bringen konnte, sich fuer eine gemeinsame Sache einzusetzen. Obama machte sehr deutlich, dass nicht der Praesident alleine das Land veraendern wird sondern die Menschen selbst mithelfen muessen. Er sprach ueber erneuerbare Ernergien und die neuen Jobs, die damit verbunden waeren. Und er wiederholte seine Worte aus der  Rede, die ihn 2004 bekannt machte und die in diesem Jahr, in dem die Fronten so verhaertet sind, so akut und bezeichnend sind, wie niemals zuvor: &#8220;Es gibt kein rotes, es gibt kein blaues Amerika. Es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika.&#8221; Es war fast ein bisschen 68er Stimmung, als Springsteen, der sich auch schon fuer John Kerry engagiert hatte und damit viele seiner republikanischen Blue Collar Fans einbuesste, &#8220;This land is your land&#8221; anstimmte und Cleveland mitsang.</p>
<p>Mike begegnete ich heute morgen kurz in der Kueche auf seiem Weg zum Canvassing, wie das von Tuer zu Tuer gehen bezeichnet wird. Er erzaehlte mir von Herbert, einem 62-jaehrigen schwarzen Vietnam Veteran, der jeden Tag mit ihm arbeitet. Gestern nach der Rally lief Herbert den ganzen Abend freudestrahlend durch das Buero und hielt seine Hand in die Hoehe: &#8220;Das ist die Hand, die der zukuenftige Praesident der USA geschuettelt hat, Freunde!&#8221; Und Obama? Der sprach selbstbewusst davon, dass er diese Wahlen mit Hilfe aller Freiwilligen und Waehler am Dienstag gewinnnen kann und  musste selbst kurz innehalten und laecheln, als seine Unterstuetzer ihn unterbrachen  mit seinen eigenen beruehmt gewordenen Schlagworten: &#8220;Yes we can! Yes we can!&#8221;</p>
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		<title>Chicagoland, Obamatown</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Nov 2008 00:32:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritz</dc:creator>
		
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		<category><![CDATA[Chicago]]></category>

		<category><![CDATA[Halloween]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Zeit läuft ab, beide Kandidaten werfen nochmal alles in die Waagschale. Zuletzt kaufte die Obama Kampagne eine halbe Stunde Sendezeit auf fast allen großen Fernsehkanälen und ließ zur besten Sendezeit am Donnerstagabend fünf Familien vorstellen und wie sich ihr Leben unter einem Präsidenten Obama verbessern würde. In den verbleibenden Tagen werden beide Kandidaten hauptsächlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeit läuft ab, beide Kandidaten werfen nochmal alles in die Waagschale. Zuletzt kaufte die Obama Kampagne eine halbe Stunde Sendezeit auf fast allen großen Fernsehkanälen und ließ zur besten Sendezeit am Donnerstagabend fünf Familien vorstellen und wie sich ihr Leben unter einem Präsidenten Obama verbessern würde. In den verbleibenden Tagen werden beide Kandidaten hauptsächlich in den Swingstates unterwegs sein, es sind diesmal nicht so viele wie gewöhnlich. Illinois gehört nicht dazu, weshalb die Freiwilligen Wahlhelfer hier sich auf den Nachbarstaat Indiana konzentrieren können. Illinois ist schließlich Obamas Heimatstadt, politisch gesehen und Chicago das Herz seiner politischen Identität.</p>
<p><a href="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-ii-48.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-264" title="chicago-ii-48" src="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-ii-48-300x222.jpg" alt="" width="300" height="222" /></a></p>
<p>Es verwundert wenig, dass neben der bereits erwähnten Halloween Kreativität ganz Chicago in Obama Poster, Graffiti, Buttons und T-Shirts gehüllt scheint. Den letzten verzweifelten McCain Aufsteller sah ich neben dem highway außerhalb der Stadtgrenzen, allerdings hell beleuchtet und in imposanter Größe mit einer vier Meter hohen Uncle Sam Puppe. Selbst die traditionell konservative Tageszeitung Chicago Tribune hat dem Kandidaten seine Unterstützung zugesichert, eine übliche Praxis in der amerikanischen Medienlandschaft.</p>
<p><a href="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-ii-60.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-265" title="chicago-ii-60" src="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-ii-60-300x198.jpg" alt="" width="300" height="198" /></a></p>
<p>Im Millenium Park, in dem eine glitzernde Spiegelskulptur in Form einer Bohne einer müden kleinen Lincoln  Statue längst den rang abgelaufen hat, treffe ich Johnny, einen Obdachlosen. er verkauft mir den Onion, für den ich einen Dollar bezahle, wohl wissend, dass er umsonst in den Läden ausliegt. Aber Johnnys Argument, er überfalle keine Leute sondern versuche nur, sich ein McDonalds Menü zu verdienen, kann ich mich nicht entziehen. er hat schon gewählt, Obama natürlich. &#8220;We need some change, man&#8221; sagt er und meint nicht das Wechselgeld diesmal. Wenig später treffe ich noch Damian, der mir seine gesampelten Hip Hop Instrumentals verkauft und mir eine ganz neue Einstellung zur Wahl entgegen bringt. &#8220;Ich wähle nicht, Alter. ich bin religiös!&#8221; Das will ich mir dann doch genauer erklären lassen und Damian erzählt mir die Geschichte von Gott als einzigem König der Menschheit. Ich wende ein, dass Politiker auch nicht direkt Könige sein sollten und es vielleicht wichtig sein könnte, sich für die irdischen Belange der Menschen einzusetzen, aber Damian antwortet nur: &#8220;Dafür benehmen sie sich aber ganz schön oft wie welche.&#8221; Da hat er auch irgendwie recht.</p>
<p><a href="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-ii-67.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-266" title="chicago-ii-67" src="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-ii-67-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a></p>
<p>Abends ist die große Halloween Parade in Boystown dem Schwulenviertel von Chicago, in der man dann weniger Obamas findet und dafür eine ganze Menge recht großer und stämmiger Sarah Palins, nicht selten mit Miss Alaska Schleppe und Maschinengewehr. Ein weiterer Renner ist in diesem Jahr auch Joe the Plumber. Die schönste Kombination ist allerdings ein händchenhaltendes McCain/Bush Paar, die sich unter dem lauten Jubel der Menge intensive Plastikmasken Küsse geben.</p>
<p><a href="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-182.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-263" title="chicago-182" src="http://www.crossroads08.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/11/chicago-182-300x210.jpg" alt="" width="300" height="210" /></a></p>
<p>Am Freitag gönnte sich der Kandidat noch eine kleine Auszeit und spazierte mit seiner Tochter durch den Hyde Park in Chicago. Dienstag wird Obama hier in Chicago im Grant Park Hof halten, ohne Damian aber mit hundertausend anderen Unterstützern und gebannt die Auszählungen verfolgen. Der letzte große Gastauftritt dort war vom Papst höchstpersönlich, im katholischen Chicago fast ebenso berühmt wie Obama. Aber die Aufmerksamkeit wird nach Indiana gehen, nach Missouri, Gorgia und wieder einmal nach Florida, wo die Umfragen keine deutlichen Vorsprünge ausmachen konnten.</p>
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