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Fußnoten der Geschichte

Wie sehr die Wahlen und der ungewisse Ausgang vor allem kreative junge Menschen beschäftigt, hatte ich ja schon bei meinem ersten Besuch in New York erlebt. Auch jetzt in den Tagen nach den Wahlen kann man noch die letzten Überreste der schlimmen Vorahnungen spüren. Nur dass sie jetzt mit dem wohligen Schaudern berichtet werden, dass einen überkommt, wenn man knapp an einer Katastrophe vorbei geschrammt ist. Auf einer Party in Williamsburg unterhalte ich mich mit Nick, der mir erzählt, dass er nach Berlin gezogen wäre, falls McCain gewonnen hätte. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass ich diese nun unnötieg Ankündigung höre. Mein Freund Lucas schrieb auf seinem Blog so: “Das einzige, was mich wirklich an einem McCain Sieg interessiert hätte, wäre gewesen, wieviele meiner Freunde ihren angekündigten Protestumzug tatsächlich durchgezogen hätten.”

Jetzt ist McCain schon in die Welt der popkulturellen Fußnoten übergegangen und die Erinnerung an eine mögliche Präsidentin Sarah Palin wirkt fast wir eine unwirkliche Anekdote. In Williamsburg führt die Künstler WG in der die Party stattfindet ein selbstgeschriebenes Theaterstück auf. “No city” handelt in bruchstückhaften Episoden von Amerika. Es geht um Wandel und Politik, um die Möglichkeit der Einmischung und alternative Gesellschaftsentwürfe. Bert Brecht darf sich vor dem Kommittee gegen antiamerikanische Aktivitäten verteidigen, natürlich wird die Wirtschaftskrise von 1929 zitiert und die Black Panther Bewegung. Die jungen Künstler, die alle aus Michigan stammen, haben das Stück an den Wochenenden vor und nach dem 4. November aufgeführt, als geschichtliche Klammer um diese Wahlen, die so richtungsweisend erscheinen. Aber der Sarkasmus, mit dem sich vor allem die junge Generation Amerikaner mit ihrem Land und ihrer Identität  auseinandergesetzt haben ist einem neuen ironischen Optimismus gewichen. Jedenfalls brauchen sich Europa und Kanada nicht mehr für eine Auswanderungswelle zu wappnen.

2 Responses to “Fußnoten der Geschichte”

  1. Bertram writes:

    GESCHAFFT! Sowohl Du wie auch Obama. Ihr seid am Ziel angekommen! Herzlchen Glückwunsch! Vielen Dank für diese authentischen Beschreibungen. Leider konnte ich sie nicht alle lesen.

  2. Irene Herrmann writes:

    lieber moritz, ich befürchte, frau palin ist noch keine fußnote, denn sie hat schon angekündigt, in 4 oder 8 jahren noch einmal einen anlauf zu nehmen. ich hoffe, es wird nicht wahr. liebe grüße von irene

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