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Freiwillige vor

Am Tag vor der Wahl brummen die Kampagnen Bueros. Die Fenster sind zugepflastert mit dem Gesicht Obamas und dem Datum von morgen: 4. November. Heute morgen war Sarah Palin in Cleveland, allerdings war es eine geschlossene Veranstaltung. Jetzt gelten keine Regeln mehr und es wird mit offenem Visier gekaempft. Die Fensterscheiben des Obama Bueros in Kansas City wurden mit Steinen eingeworfen, aus Mikes Buero wurde ein Rechner mit wichtigen Daten gestohlen. Die Anhaneger der Republikaner tauschen die Flyer und Wahlzettel der Obama Kampagne aus oder versehen sie mit Hinweisen wie diesen: “Demokraten waehlen am 5. November.” Beliebt sind auch Aufkleber mit falschen Wahlorten oder der Hinweis, dass Waehler mit unbezahlten Strafzetteln vor den Wahlkabinen verhaftet werden. All diese Praktiken werden kurioserweise von Gesetz gedeckt, so dass man staendige Gegenoffensiven entwickeln muss. Mike wird mit seinem Team bis spaet in die Nacht die Nachbarschaften abklappern, um die falschen informationen wieder zu entfernen, es ist ein Katz und Maus Spiel.

Wahlkaempfer Herb, der immer noch erfuellt ist von seiner Begegnung mit Obama am Sonntagabend, ist schon seit Feburar 2007 dabei. Der Vietnam Veteran kommt aus Baltimore und ist im Diensten Obamas schon kruez und quer durch die USA gereist. “Ich war im Krieg, aber gestern hab ich geweint” erzaehlt er mir. Im Buero wuseln Leute hin und her, jeder will noch irgendetwas bewegen, keiner weiss so genau, was. Flyer, Plakate und Schilder werden verteilt, denn morgen, sagt Herb, egal in welche Richtung das geht, bedeutet das alles nichts mehr. Ghettokids und Collegestudenten, Hausfrauen und Broker haben sich freigenommen, um die Kampagne auf den letzten Metern zu unterstuetzen. John ist extra ueber den Ozean geflogen, um in der Nachbarschaft seiner Eltern und Grosseltern fuer Obama zu trommeln, der 62-jaehrige wohnt eigentlich seit vier Jahren in Kopenhagen. Als wir Mike im Buero besuchen, kommt ein junges Paerchen aus New York mit ihrem Schwiegervater um zu helfen. Sie sind seit vier Tagen in Cleveland unermuedlich im Einsatz fuer ihren Kandidaten.

Noch eine kurze Nacht steht ihnen bevor, die meisten werden sie wohl auf dem Fussboden des Bueros verbringen. UYm 4:30 werden die Tueren geoeffnet, ab 6:30 sind die Wahllokale offen, zum Teil werden Wartezeiten bis zu acht Stunden erwartet. Dieses Jahr sagen die Umfragen eine Rekordbeteiligung voraus in den normalerweise notorisch von mangelnder Partizipation gepraegten US Wahlen. Heute hat es angefangen zu regnen in Ohio, aber die Wettervorhersagen sprechen von 18 Grad und Sonne morgen. Das wuerde die Waehler wohl deutlich mehr motivieren. Um 19:30 schliessen die Wahllokale, wer bis dahin allerdings in der Schlange steht, darf auch waehlen. Solange geht die Schicht weiter fuer die Kampagnenhelfer, bevor dann abend ueberall Parties steigen werden. aber davon spricht jetzt noch keiner.

3 Responses to “Freiwillige vor”

  1. ANiL writes:

    …oh my god! Now it will come to an end! The end of all this messing around…and hopefully a beginning of something better!
    Keep it up, Moe and stay tuned! I will send you one of my best friends across the ocean :-)

  2. Aylabama writes:

    Anil proklamiert das Ende der Welt und die Republikaner are playing dirty. Wird wirklich Zeit, dass wieder mehr Politik gemacht wird, und weniger Wahlkampf. Wenn schon Jörg Thadeusz in einem Interview erzählen muss, dass er sich wohl die CNN-Übertragung anguckt, und nicht eine der vier im deutschen Fernsehen…

  3. Mirjam writes:

    Lieber Moritz,
    wie spannend ist DAS denn! Danke für den interessanten Text. Ich kann Dir versichern: Auch wir hier in Ancient Europe kauen den ganzen Tag schon Nägel und sind gespannt. Heute auf der Ottensener Hauptstraße der erste Kollege mit Obama08-Aufkleber am Revers.
    Wünsche eine spannende Nacht!
    Gruß, m

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