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Chicagoland, Obamatown

Die Zeit läuft ab, beide Kandidaten werfen nochmal alles in die Waagschale. Zuletzt kaufte die Obama Kampagne eine halbe Stunde Sendezeit auf fast allen großen Fernsehkanälen und ließ zur besten Sendezeit am Donnerstagabend fünf Familien vorstellen und wie sich ihr Leben unter einem Präsidenten Obama verbessern würde. In den verbleibenden Tagen werden beide Kandidaten hauptsächlich in den Swingstates unterwegs sein, es sind diesmal nicht so viele wie gewöhnlich. Illinois gehört nicht dazu, weshalb die Freiwilligen Wahlhelfer hier sich auf den Nachbarstaat Indiana konzentrieren können. Illinois ist schließlich Obamas Heimatstadt, politisch gesehen und Chicago das Herz seiner politischen Identität.

Es verwundert wenig, dass neben der bereits erwähnten Halloween Kreativität ganz Chicago in Obama Poster, Graffiti, Buttons und T-Shirts gehüllt scheint. Den letzten verzweifelten McCain Aufsteller sah ich neben dem highway außerhalb der Stadtgrenzen, allerdings hell beleuchtet und in imposanter Größe mit einer vier Meter hohen Uncle Sam Puppe. Selbst die traditionell konservative Tageszeitung Chicago Tribune hat dem Kandidaten seine Unterstützung zugesichert, eine übliche Praxis in der amerikanischen Medienlandschaft.

Im Millenium Park, in dem eine glitzernde Spiegelskulptur in Form einer Bohne einer müden kleinen Lincoln  Statue längst den rang abgelaufen hat, treffe ich Johnny, einen Obdachlosen. er verkauft mir den Onion, für den ich einen Dollar bezahle, wohl wissend, dass er umsonst in den Läden ausliegt. Aber Johnnys Argument, er überfalle keine Leute sondern versuche nur, sich ein McDonalds Menü zu verdienen, kann ich mich nicht entziehen. er hat schon gewählt, Obama natürlich. “We need some change, man” sagt er und meint nicht das Wechselgeld diesmal. Wenig später treffe ich noch Damian, der mir seine gesampelten Hip Hop Instrumentals verkauft und mir eine ganz neue Einstellung zur Wahl entgegen bringt. “Ich wähle nicht, Alter. ich bin religiös!” Das will ich mir dann doch genauer erklären lassen und Damian erzählt mir die Geschichte von Gott als einzigem König der Menschheit. Ich wende ein, dass Politiker auch nicht direkt Könige sein sollten und es vielleicht wichtig sein könnte, sich für die irdischen Belange der Menschen einzusetzen, aber Damian antwortet nur: “Dafür benehmen sie sich aber ganz schön oft wie welche.” Da hat er auch irgendwie recht.

Abends ist die große Halloween Parade in Boystown dem Schwulenviertel von Chicago, in der man dann weniger Obamas findet und dafür eine ganze Menge recht großer und stämmiger Sarah Palins, nicht selten mit Miss Alaska Schleppe und Maschinengewehr. Ein weiterer Renner ist in diesem Jahr auch Joe the Plumber. Die schönste Kombination ist allerdings ein händchenhaltendes McCain/Bush Paar, die sich unter dem lauten Jubel der Menge intensive Plastikmasken Küsse geben.

Am Freitag gönnte sich der Kandidat noch eine kleine Auszeit und spazierte mit seiner Tochter durch den Hyde Park in Chicago. Dienstag wird Obama hier in Chicago im Grant Park Hof halten, ohne Damian aber mit hundertausend anderen Unterstützern und gebannt die Auszählungen verfolgen. Der letzte große Gastauftritt dort war vom Papst höchstpersönlich, im katholischen Chicago fast ebenso berühmt wie Obama. Aber die Aufmerksamkeit wird nach Indiana gehen, nach Missouri, Gorgia und wieder einmal nach Florida, wo die Umfragen keine deutlichen Vorsprünge ausmachen konnten.

2 Responses to “Chicagoland, Obamatown”

  1. Johnny2 writes:

    Erstaunlich, wie kreativ und engagiert da Leute freiwillig Wahlkampf für ihren Kandidaten machen. Ob das in D-Land auch funktionieren würde? Habe da einen interessanten Artikel bei Welt Online gelesen über die ‘Erfolgs-Strategien’ von Obama: http://www.welt.de/politik/article2657010/Die-zehn-Erfolgsstrategien-des-Barack-Obama.html?page=3#article_readcomments

  2. sabine dammert writes:

    hallo moritz,
    wo doch mein bruder dich ganz bald besuchen kommt, war ich sehr neugierig auf deine seite…
    gratuliere dir, war und ist ne geniale idee und ne perfekte umsetzung! ;-)
    ich bin sehr gespannt, was du vom wahltag berichten wirst…
    lg sabine

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