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Vernon’s Barbershop

Es mag übertrieben klingen, aber auch eine Woche nach den Wahlen hält sich ein Gefühl der Veränderung auf den Straßen New Yorks. Natürlich haben sich die T-Shirt-, Kalender- und Buttonverkäufer beeilt, das ohnehin Michael Jacksoneske (back in the day) Popstar Image des “President Elect” auszunutzen. In Harlem hallt der Ruf “Obama-bama-bama” so laut und routiniert von den T-Shirt Ständen durch die Straßen, dass man sich an den Hamburger Fischmarkt erinnert fühlt. Die kreativsten Entwürfe zeigen Obama beim Slamdunk über einen sich wegduckenden McCain oder auch das berühmte Muhammad Ali Motiv des siegreichen Boxers.

Aber neben diesen expermimentellen Versuchen, Obamas Wahlsieg schon vor seinem Amtsantritt zur persönlichen Bewältigung der Wirtschaftskrise zu nutzen, scheint tatsächlich eine andere Stimmung zu herrschen. Ein Obama Button an der Jacke ist fast wie ein Schutzmedallion, das einem freundliche Blicke in allen Vierteln der Stadt garantiert. Man schaut sich offener und direkter an, als vor den Wahlen.

Dennoch war unser erster Besuch in einem Barbershop für eine Nassrasur im vornehmlich afroamerikanischen Brooklyn zunächst von Skepsis geprägt. Die zwanzig Warteminuten verbrachten wir in einvernehmlichen Schweigen, bis Vernon, der Besitzer, noch überschwenglich im nagelneuen Obamashirt und Button gekleidet mich auf den Stuhl bat. Nach ungefähr drei Minuten waren wir in ein offenes freundliches Gespräch über die Wahlnacht und die Straßenparty in Brooklyn vertieft, in dass sich fast jeder im Laden einmischte. Und nach fünf weiteren Minuten  bekam ich die offenherzigste Bestätigung der intellektualisierten Bedeutung des ersten schwarzen Präsidenten für Afroamerikaner. Vernon drehte mich ins Licht, setzte die Messerklinge kurz von meinem halbrasierten Reisebart ab und sagte: “Weißt du was? Vor ein paar Tagen noch hätte ich dich nicht so offen angucken können und mit dir reden können wie jetzt. Da wären Bedenken und Vorurteile im Spiel gewesen und ich hätte mich unwohl gefühlt. Aber jetzt? Das hat sich alles mit dieser einen Nacht verändert.” Schließlich schenkte er mir die Rasur und lud uns auf ein paar Bier ein, die er noch von der Wahlnacht übrig behalten hatte.

Ich will nicht ausschließen, dass dies ein Einzelfall und aus der Euphorie des frischen Siegesgefühls heraus entstanden ist. Aber das grundsätzliche Empfinden im eigenen Selbstbewusstsein der afroamerikanischens Bevölkerung, auf einer gleichberechtigten Stufe angekommen zu sein, lässt sich nicht übersehen. Für mich jedefalls war dieses Erlebnis einprägsamer als viele Zeitungsartikel und Extrasendungen auf allen Kanälen, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Fußnoten der Geschichte

Wie sehr die Wahlen und der ungewisse Ausgang vor allem kreative junge Menschen beschäftigt, hatte ich ja schon bei meinem ersten Besuch in New York erlebt. Auch jetzt in den Tagen nach den Wahlen kann man noch die letzten Überreste der schlimmen Vorahnungen spüren. Nur dass sie jetzt mit dem wohligen Schaudern berichtet werden, dass [...]

Good Morning, New York

Der Himmel über New York ist regnerisch, genau so, wie vor mehr als sechs Wochen, als ich die Stadt Richtung Süden verlassen habe. Vielleicht bilde ich mir nur ein, dass die als notorisch unfreundlichen New Yorker etwas freundlicher sind in Crown Heights, dem afroamerikanischen Stadtteil, in dem Brian wohnt. Gestern wirkte es noch fast unwirklich, [...]

Nov 4th


Geschichte gibts….

Ich bin froh, dass es ausgerechnet Jon Stewart in der Sonderausgabe der Daily Show war, von dem ich die Neuigkeiten erfuhr, das nimmt dieser Entscheidung etwas von der Erhabenheit und dem Ausmass, die ihr schon jetzt zugeordnet werden.  Es ist schwierig, die politischen Dimensionen einzuordnen, die diese Wahl fuer die USA und den Rest der [...]